Ensemble Donaustauf mit Walhalla-Landschaft



  • Mitte der 1980er Jahre wurde der historische Ortskern zusammen mit der Walhalla und ihrem Umgriff vom Landesamt für Denkmalpflege als Ensemble eingestuft. Das hatte zur Folge, dass von nun an nicht nur die eingetragenen Einzeldenkmäler unter Schutz standen, sondern auch die historisch gewachsenen Häuserzeilen und Platzfolgen in der Prüllstraße, der Maxstraße, dem Oberen Markt und weiteren Bereichen des historischen Donaustaufer Ortskerns.

    In der Donaustaufer Gestaltungsfibel von 1990 findet sich in einem Vorwort der Autoren folgende Passage:
    “Bei der fortschreitenden Abnahme des historischen Bestandes im Verhältnis zu den anhaltenden Zuwächsen der jüngsten Zeit liegt in der Anwendung von Gestaltungsregeln eine bedeutende Chance für die Erhaltung historischer Bausubstanz. Das ‘Seltenerwerden’ wird mit Sicherheit die Wertschätzung des verbleibenden historischen Erbes noch weiter ansteigen lassen. Es ist bereits heute absehbar, daß in naher Zukunft ein erhöhtes Interesse nach den einmaligen und nicht wiederherstellbaren historischen Gütern einsetzen wird. Unter diesem Vorzeichen ist zu erwarten, daß die Beziehung der Menschen zu der historischen Bausubstanz stärker werden wird und daß sich heute mit dem historischen Bestand scheinbar unverträgliche Nutzungen durch Funktionswandel auf die historischen Formen abgleichen lassen.”

    Dass sich 26 Jahre nach ihrer Veröffentlichung diese offensichtlich so überoptimistische Prophezeihung in der Realität nicht erfüllt hat, dafür ist der Zustand von Teilen des Donaustaufer Ensembleschutzgebiets Beweis genug. Der Umgang mit dem baulichen Erbe war in der Vergangenheit zum Teil so sorglos, dass nun offenbar der Ensemblestatus des Oberen Marktes und der Prüllstraße akut gefährdet ist. Eine Folge der Genehmigungspraxis von Gemeinde und/oder Landratsamt, die bis in die jüngste Zeit von einer robusten Ignoranz gegenüber dem Denkmalschutz gekennzeichnet war. Stellungnahmen des Landesamtes für Denkmalschutz wurden häufig weggewichtet oder es wurden einfach Fakten in Form von Abrissen geschaffen. Ein Entzug des Ensembleschutzes würde sicherlich das Aus für einen großen Teil der historischen Bausubstanz im Oberen Markt und der Prüllstraße bedeuten.

    Um diese real drohende Gefahr noch abzuwenden sind deutliche Signale an die Denkmalschutzbehörden notwendig. Die Marktgemeinde Donaustauf muss durch entschlossenes Handeln zeigen, dass sie das Ensemble in seinem bisherigen Umfang beibehalten möchte. Der Erlass einer Gestaltungssatzung für das Ensembleschutzgebiet und ein Wiedereinstieg in geeignete Programme der Städtebauförderung wären hierzu mit Sicherheit geeignete Maßnahmen.
    Das Bürgerforum Donaustauf setzt sich entschlossen für eine Gestaltungssatzung und den Wiedereinstieg in die Städtebauförderung ein, die über eine bauliche Aufwertung hinaus vor allem gesamtstrukturelle Verbesserungen in den Fördergebieten erreichen möchte. An der Erarbeitung des hierzu erforderlichen integrierten städtebaulichen Konzeptes beteiligt sich das Bürgerforum Donaustauf gerne.



  • Pressemitteilung des Bürgerforum Donaustauf

    Bitte Kurs halten in der Wörther Straße
    Bürgerforum Donaustauf ermutigt Markt zum weiteren Einsatz für Denkmalschutz

    Donaustauf 22.10.2016 Mit Sorge betrachtet das Bürgerforum Donaustauf die neuesten Entwicklungen rund um das ehemalige Fürstliche Forstamt. Nach dem Urteil des bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, das den bestehenden Bebauungsplan “Wörther Straße” für ungültig erklärte, scheint der angemessene Umgang mit diesem geschichtsträchtigen Areal, wie ihn der Donaustaufer Marktgemeinderat festschreiben wollte, nun wieder gefährdet. Sowohl die Eigentümerfamilie Thurn und Taxis als auch Bürgermeister Sommer gehen nach dem Urteil des VGH offenbar davon aus, dass nun grundsätzlich Baurecht besteht. Nach Meinung des Bürgerforum Donaustauf wird bei dieser Sichtweise jedoch völlig außer acht gelassen, dass das ehemalige Forstamt mitten im Donaustaufer Ensembleschutzgebiet liegt. Eine bloße Bebauung nach Paragraf 34 (“Einfügegebot”) ist dort nach Meinung der Initiative für Ortsentwicklung und Ensembleschutz keinesfalls möglich. Zwingende Voraussetzung für die Zulässigkeit dieser Baumaßnahme im Ensembleschutzgebiet ist eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis unter Beteiligung des Landesamtes für Denkmalpflege. Dieses hat sich anlässlich der Aufstellung des Bebauungsplans “Wörther Straße” im Jahr 2015 aber schon allein aufgrund der zahlreich vorhandenen Bodendenkmäler klar gegen eine zusätzliche Bebauung ausgesprochen.
    Vor dem Hintergrund des aktuell drohenden Entzuges des Schutzstatus für weite Teile des Donaustaufer Ensembles kommt dem weiteren Vorgehen der Marktgemeinde Donaustauf besondere Bedeutung zu: Wird in der Wörther Straße der Denkmalschutz, wie z.B. schon bei Bauvorhaben in der Burgstraße, erneut anderen Interessen untergeordnet, dann ist nach Einschätzung des Bürgerforum Donaustauf das Schicksal des Ensembleschutzgebiets besiegelt. Bürgermeister Sommer und die Verwaltung der Marktgemeinde stehen deshalb in der Pflicht, dem Willen der Marktratsmehrheit auf Verzicht auf eine zusätzlichen Bebauung in der Wörther Straße mit der Wahl eines nunmehr rechtssicheren Verfahrens Geltung zu verschaffen.
    Ausdrücklich unterstützt das Bürgerforum Donaustauf die Bestrebungen der Marktgemeinde Donaustauf, das ehemalige Fürstliche Forstamt zu kaufen und idealerweise einer öffentlichen Nutzung zu zu führen. Dennoch sollte sich die Marktgemeinde für den Fall wappnen, dass ein anderer Käufer zum Zug kommt: Auch dann muss der Verzicht auf eine zusätzliche Bebauung klare Vorgabe der Genehmigungsbehörden sein.
    Mit dem jüngst gefassten Beschluss, für das Ensembleschutzgebiet ein kommunales Denkmalschutzkonzept zu erarbeiten und als Satzung zu erlassen, ist der Donaustaufer Marktgemeinderat nach Meinung des Bürgerforum Donaustauf auf dem richtigen Weg. Den gilt es nun auch beim Bebauungsplan Wörther Straße weiter zu verfolgen.